Stand der Studienlage: September 2026 · alle Quellen mit PubMed-Nachweis
Forschungsübersicht
ARA-290 (INN Cibinetid) ist ein lineares Peptid aus 11 Aminosäuren (Pyr-Glu-Gln-Leu-Glu-Arg-Ala-Leu-Asn-Ser-Ser, Summenformel C51H84N16O21, ca. 1257,3 g/mol, CAS 1208243-50-8), das aus der Struktur des Erythropoetins (EPO) abgeleitet wurde. Es ist eines der wenigen Forschungspeptide, das aus einer gezielten Strukturanalyse eines klinisch etablierten Proteins hervorging: Brines et al. (2008, PNAS) grenzten die gewebeprotektiven Domänen von EPO auf kurze Sequenzen ein und zeigten, dass die Helix B (Reste 58–82) — die Seite des Proteins, die dem wässrigen Medium zugewandt ist, wenn EPO am Rezeptor-Homodimer gebunden ist — in vitro neuroprotektiv und in vivo gewebeprotektiv wirkt; ein 11-Aminosäuren-Peptid aus der wässrigen Fläche dieser Helix erwies sich als ebenso aktiv. Das ist ARA-290.
Der Kern des Konzepts: EPO wirkt über zwei verschiedene Rezeptoren. Die Blutbildung läuft über das EPO-Rezeptor-Homodimer, die Gewebeprotektion über einen Heterokomplex aus EPO-Rezeptor und der Beta-common-Untereinheit CD131 — den Innate Repair Receptor (IRR), der in geschädigtem Gewebe hochreguliert wird. ARA-290 bindet nur den Heterokomplex und ist deshalb nicht erythropoetisch: In den klinischen Studien blieben Hämatokrit und Retikulozyten unverändert. Für die Forschung ist es damit das Werkzeug, mit dem sich die gewebeprotektive Achse von EPO isoliert untersuchen lässt — mit einer Datenlage, die von Nagermodellen bis zu Phase-2b-Studien reicht, einschließlich einer negativen.
Molekulare Architektur
Das Peptid trägt N-terminal ein Pyroglutamat — ein zyklisiertes Glutamin, das die freie Aminogruppe blockiert und vor Aminopeptidasen schützt; die Sequenz ist im Übrigen linear und unmodifiziert, ohne Cystein, Methionin oder Tryptophan, mit zwei Glutamat- und einem Argininrest. Die Plasmahalbwertszeit ist sehr kurz — im Minutenbereich —, die biologische Wirkung hält jedoch deutlich länger an, weil die nachgeschalteten Signalwege (STAT3- und Akt-Phosphorylierung) nach dem Verschwinden der Substanz aus dem Plasma fortwirken (van Velzen et al., 2014). Das ist für die Versuchsplanung zentral: Pharmakokinetik und Pharmakodynamik fallen bei diesem Molekül auseinander.
Wirkmechanismus laut Studien
- IRR-Aktivierung: Bindung an den EPOR/CD131-Heterokomplex, der als Antwort auf Verletzung oder metabolischen Stress exprimiert wird; nachgeschaltet Akt-, eNOS- und STAT-Signale. Bitto et al. (2018) zeigten in Mäusen mit genetischem Diabetes (db/db) unter täglich 30 µg/kg subkutan erhöhte VEGF-, phospho-Akt- und phospho-eNOS-Spiegel in der Wunde, mehr Angiogenese und schnelleren Wundverschluss.
- Mikroglia und Neuropathie: Swartjes et al. (2014) fanden in Ratten nach Spared-Nerve-Injury eine dosisabhängige Reduktion der mechanischen Allodynie (3, 10, 30 und 60 µg/kg an den Tagen 1, 3, 6, 8 und 10) mit unterdrückter Mikroglia-Antwort im Rückenmark — und einem Effekt, der die Gabe lange überdauerte.
- TRPV1: Zhang et al. (2016) zeigten per Calcium-Imaging, dass ARA-290 den TRPV1-Kanal direkt hemmt und capsaicininduzierte Hypersensitivität abschwächt — ein rezeptorunabhängiger Nebenmechanismus an peripheren Nozizeptoren.
- Makrophagen und Monozyten: Watanabe et al. (2016) beschrieben die Hemmung der Makrophagenaktivierung und den Schutz transplantierter Inseln (120 µg/kg intraperitoneal); Al-Onaizi et al. (2022) nutzten das Peptid, um Monozytenfunktionen in einem Alzheimer-Modell ohne erythropoetische Nebenwirkung zu modulieren.
Aktuelle Studienlage
Klinische Studien — Small-Fiber-Neuropathie
Heij et al., 2012, Molecular Medicine — randomisierte, doppelblinde Pilotstudie an 22 Patienten mit Sarkoidose und Small-Fiber-Neuropathie: 2 mg intravenös dreimal wöchentlich über 4 Wochen (12 Verum, 10 Placebo); Schmerzintensität und SFNSL-Score verbesserten sich, keine Sicherheitssignale in Klinik und Labor.
Dahan et al., 2013, Molecular Medicine — verblindet, placebokontrolliert: 28 Tage tägliche subkutane Gabe bei dokumentiertem Small-Fiber-Verlust verbesserte neuropathische Symptome und erhöhte die korneale Nervenfaserdichte.
Culver et al., 2017, Investigative Ophthalmology & Visual Science — Phase 2b, 64 Patienten, 28 Tage, 1, 4 oder 8 mg täglich gegen Placebo: placebokorrigierte Änderung der kornealen Nervenfaserfläche +697 µm² in der 4-mg-Gruppe (p = 0,012), +109 und +431 µm² bei 1 und 8 mg (nicht signifikant); regenerierende intraepidermale GAP-43-positive Fasern in der 4-mg-Gruppe erhöht. Eine glockenförmige Dosis-Wirkungs-Beziehung — typisch für Immunmodulatoren.
Klinische Studien — Stoffwechsel und Auge
Brines et al., 2015, Molecular Medicine — Phase 2 bei Typ-2-Diabetes mit schmerzhafter Neuropathie: 4 mg täglich subkutan über 28 Tage, weitere 28 Tage Nachbeobachtung; HbA1c und Lipidprofil verbesserten sich über die 56 Tage, der PainDetect-Score signifikant; keine Sicherheitsprobleme.
Lois et al., 2020, Journal of Clinical Medicine — Phase 2 beim diabetischen Makulaödem, 9 Patienten, 4 mg täglich subkutan über 12 Wochen: keine Verbesserung von Sehschärfe, zentraler Netzhautdicke oder Netzhautsensitivität. Ein negativer Befund, der auf diese Seite gehört.
Status
ARA-290 ist in keinem Land zugelassen; es ist ein Prüfpräparat (Araim Pharmaceuticals), ein Phase-3-Programm ist nicht publiziert. Langzeitdaten über mehr als wenige Monate fehlen. Die Studien nutzten zwei verschiedene Regime — intravenös dreimal wöchentlich und subkutan täglich —, deren Vergleich nicht abschließend geklärt ist.
Einordnung: ARA-290 und EPO
| ARA-290 (Cibinetid) | Erythropoetin | |
|---|---|---|
| Molekül | 11 AA, 1257 g/mol, synthetisch | 165 AA, glykosyliert, ca. 30 kDa, rekombinant |
| Rezeptor | nur EPOR/CD131-Heterokomplex (IRR) | EPOR-Homodimer (Blutbildung) und IRR (Gewebeschutz) |
| Erythropoese | keine — Hämatokrit in Studien unverändert | ja, dosislimitierend (Thrombose) |
| Halbwertszeit | Minuten (Plasma), Wirkung länger | Stunden |
| Klinischer Status | Phase 2/2b, nicht zugelassen | zugelassen (Anämie) |
Für die Forschung ist das die eigentliche Pointe: ARA-290 ist die experimentelle Trennung zweier Funktionen eines Hormons in ein einzelnes Molekül. Weitere Gewebereparatur-Peptide mit anderen Mechanismen: BPC-157, TB-500, GHK-Cu.
Für die Versuchsplanung
- IRR-Expression prüfen. Der Heterokomplex wird in gesundem Gewebe kaum, in geschädigtem stark exprimiert. Ohne Schädigung kein Rezeptor — Kontrollgewebe ohne Läsion zeigt keinen Effekt, und das ist erwartbar, kein Versagen.
- PK und PD trennen. Minuten im Plasma, Tage in der Wirkung (Swartjes 2014). Endpunkte nach der Gabe zeitlich staffeln; eine Plasmakonzentration zum Messzeitpunkt ist kein sinnvoller Kovariat.
- Glockenkurve einplanen. In der Phase-2b-Studie wirkte 4 mg, 8 mg nicht besser (Culver 2017); Swartjes fanden eine Dosis-Wirkungs-Beziehung im µg/kg-Bereich. Dosisreihen über mindestens drei Stufen, nicht nur „hoch“.
- Erythropoese als Negativkontrolle. Hämatokrit oder Retikulozyten mitmessen — ein Anstieg zeigt, dass nicht ARA-290, sondern etwas anderes wirkt.
- TRPV1-Anteil abgrenzen. Für Schmerz- und Nozizeptor-Endpunkte den direkten Kanaleffekt (Zhang 2016) vom IRR-Effekt trennen — etwa mit CD131-defizienten Tieren oder TRPV1-Antagonisten.
- Pyroglutamat belegen. Die N-terminale Zyklisierung ist Teil der Identität (−17 Da gegenüber freiem Glutamin); nicht zyklisiertes Material ist proteolytisch instabiler.
Forschungsanwendungen
ARA-290 wird in der biomedizinischen Forschung in verschiedenen Kontexten eingesetzt: (1) Signalwegstudien am EPOR/CD131-Heterokomplex — Akt, eNOS, STAT3, JAK2; (2) Neuropathiemodelle (Spared Nerve Injury, diabetische Neuropathie) mit Verhaltens- und Mikroglia-Endpunkten; (3) Wundmodelle bei genetischem Diabetes; (4) Inseltransplantation und Makrophagenaktivierung; (5) Nozizeptor-Elektrophysiologie und TRPV1-Calcium-Imaging; (6) Monozytenmodulation in neurodegenerativen Modellen; (7) Vergleichsdesigns gegen rekombinantes EPO zur Trennung hämatopoetischer und gewebeprotektiver Effekte; (8) analytische Methodenentwicklung — Pyroglutamat-Peptide per LC-MS.
Stammlösung und Konzentrationen
Das Vial enthält 10 mg. Die Rechenbeispiele beziehen sich ausschließlich auf die Laborpraxis, nicht auf eine Anwendung an Mensch oder Tier.
| Rekonstitution | Konzentration | entspricht (bei 1257,3 g/mol) |
|---|---|---|
| 10 mg in 1 ml | 10 mg/ml | ca. 7,95 mmol/l |
| 10 mg in 2 ml | 5 mg/ml | ca. 3,98 mmol/l |
| 10 mg in 5 ml | 2 mg/ml | ca. 1,59 mmol/l |
Die präklinischen Modelle arbeiten mit 3 bis 120 µg/kg — ein 10-mg-Vial deckt damit auch größere Tierserien ab; für Zellkultur genügen Aliquots einer verdünnten Stammlösung. Die aktuellen Preise stehen in der Kaufbox oben auf dieser Seite; der Preis je Milligramm wird dort live berechnet.
Qualität: Warum Reinheit und Identität belegt sein müssen
Bei einem 11-mer mit N-terminalem Pyroglutamat sind zwei Prüfpunkte entscheidend: die HPLC-Reinheit ab 99 % als Nachweis, dass Deletionssequenzen abgetrennt wurden, und die massenspektrometrische Identität gegen die Sollmasse einschließlich der Zyklisierung — offenes Glutamin am N-Terminus wiegt 17 Da mehr und läuft chromatografisch nahe am Zielpeptid. Für quantitative Arbeit ist zusätzlich der Nettopeptidgehalt relevant.
Jede ALPHASYNTH-Charge wird per HPLC auf Reinheit (≥ 99 %) und per Massenspektrometrie auf Identität geprüft. Das Certificate of Analysis (COA) ist der Bestellung zugeordnet und über die Vial-Prüfung anhand der Chargenbezeichnung abrufbar; die Übersicht aller Berichte steht unter Laborberichte. Wie ein COA gelesen wird, erklärt der Fachartikel Certificate of Analysis richtig lesen.
Spezifikationen
| Wirkstoff | ARA-290 (Cibinetid), EPO-Helix-B-Mimetikum |
| Sequenz | Pyr-Glu-Gln-Leu-Glu-Arg-Ala-Leu-Asn-Ser-Ser (11 Aminosäuren, N-terminal Pyroglutamat) |
| CAS-Nummer | 1208243-50-8 |
| Summenformel | C51H84N16O21 |
| Molekulargewicht | ca. 1257,3 g/mol |
| Rezeptorziel | Innate Repair Receptor (EPOR/CD131-Heterokomplex); nicht erythropoetisch |
| Reinheit | ≥ 99 % (HPLC), Identität per Massenspektrometrie |
| Form | Lyophilisiertes weißes Pulver |
| Menge pro Vial | 10 mg |
| Qualitätskontrolle | HPLC, MS, COA je Charge, Chargennummer auf dem Vial |
| Verwendung | Research Use Only — nicht für Mensch oder Tier |
Lagerung & Haltbarkeit
| Lyophilisiert, −20 °C | bis zu 24 Monate, lichtgeschützt |
| Lyophilisiert, 2–8 °C | bis zu 6 Monate |
| Rekonstituiert, 2–8 °C | bis zu 14 Tage, lichtgeschützt |
| Nach Rekonstitution | Nicht wiederholt einfrieren, Sterilität wahren |
Rekonstitution
- Vial und Lösungsmittel auf Raumtemperatur bringen (Kondenswasser vermeiden).
- Bakteriostatisches Wasser (0,9 % Benzylalkohol) für Mehrfachentnahmen, steriles Wasser oder Puffer für Einmalansätze.
- Das Lösungsmittel langsam an der Innenwand des Vials entlang zugeben, nicht direkt auf das Lyophilisat.
- Vial sanft schwenken, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat — nicht schütteln.
- Visuelle Kontrolle: Die Lösung muss klar und farblos sein; Trübung oder Partikel sind ein Ausschlusskriterium.
- Konzentration aus Vialgröße und Volumen berechnen (Tabelle oben) und auf dem Vial notieren.
- Gekühlt lagern (2–8 °C), Rekonstitutionsdatum notieren.
Für die Umrechnung von Konzentration, Volumen und Spritzenskala steht der Peptid-Rechner bereit.
Dosierungen in publizierten Studien
Zur Einordnung der wissenschaftlichen Literatur — keine Anleitung.
| Modell | Applikation / Menge | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|
| Ratte, Spared Nerve Injury | 3 – 60 µg/kg an Tagen 1, 3, 6, 8, 10 | dosisabhängig weniger Allodynie, Mikroglia ↓ | Swartjes 2014 |
| Maus db/db, Wunde | 30 µg/kg s.c. täglich | VEGF, pAkt, peNOS ↑, schnellerer Verschluss | Bitto 2018 |
| Maus, Inseltransplantation | 120 µg/kg i.p. | Makrophagenaktivierung ↓, Transplantatfunktion ↑ | Watanabe 2016; Yao 2020 |
| Sarkoidose-SFN, Pilot | 2 mg i.v. 3× wöchentlich, 4 Wochen | Schmerz und SFNSL verbessert | Heij 2012 |
| Sarkoidose-SFN, Phase 2b | 1 / 4 / 8 mg s.c. täglich, 28 Tage | korneale Nervenfaserfläche +697 µm² nur bei 4 mg | Culver 2017 |
| Typ-2-Diabetes, Phase 2 | 4 mg s.c. täglich, 28 Tage | HbA1c, Lipide, PainDetect verbessert | Brines 2015 |
| Diabetisches Makulaödem, Phase 2 | 4 mg s.c. täglich, 12 Wochen | keine Verbesserung | Lois 2020 |
Versand & Handling
- Versand per DHL aus Deutschland, Lieferzeit innerhalb Deutschlands in der Regel 1–3 Werktage, in der EU 3–5 Werktage
- Diskreter Versand, keine Produktbezeichnung auf dem Paket
- Lyophilisat ist für den Transport über 2–3 Tage bei Raumtemperatur stabil; nach Erhalt kühl oder gefroren lagern
- Chargennummer auf dem Vial, Certificate of Analysis (COA) je Charge abrufbar
Weiterführende Fachartikel
- ARA-290 im Peptid-Lexikon — die Kurzdefinition mit Stoffdaten und Studienüberblick
- BPC-157-Forschungsleitfaden · TB-500-Forschungsleitfaden · GHK-Cu-Forschungsleitfaden — weitere Gewebereparatur-Peptide
- Certificate of Analysis richtig lesen — was ein COA belegen muss
Warum ALPHASYNTH™?
- Belegte Reinheit: Jede Charge mit HPLC-Analysezertifikat (≥ 99 %) und massenspektrometrischer Identitätsprüfung
- Rückverfolgbarkeit: Chargennummer auf dem Vial, COA je Bestellung über die Vial-Prüfung abrufbar
- Sichere Lieferung: Diskrete Verpackung, versichert, EU-weiter Versand per DHL aus Deutschland
- Fachkundiger Support: Technische Fragen beantwortet unser Forschungsteam
- Quellenstandard: Jede Studienangabe auf dieser Seite trägt einen PubMed-Nachweis — auch die negative Makulaödem-Studie
Alle Produkte von ALPHASYNTH™ sind ausschließlich für wissenschaftliche Forschungszwecke bestimmt. Nicht für den menschlichen oder tierärztlichen Gebrauch.






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