Stand der Studienlage: September 2026 · alle Quellen mit PubMed-Nachweis
Forschungsübersicht
KPV ist ein Tripeptid aus Lysin, Prolin und Valin (H-Lys-Pro-Val-OH, Summenformel C16H30N4O4, 342,43 g/mol, CAS 67727-97-3). Es entspricht den Resten 11 bis 13 des Alpha-Melanozyten-stimulierenden Hormons (alpha-MSH) und erscheint in der Literatur deshalb auch als alpha-MSH(11–13). Mit drei Aminosäuren ist es eines der kleinsten Peptide, die in der Entzündungsforschung als eigenständige Werkzeugsubstanz untersucht werden — klein genug, um Substrat des Di- und Tripeptid-Transporters PepT1 zu sein, und damit ein seltener Fall eines Peptids, das nicht über einen Oberflächenrezeptor, sondern über einen Transporter in die Zelle gelangt.
Bemerkenswert an der Datenlage ist, dass sich das Fragment pharmakologisch anders verhält als das vollständige Hormon: Die entzündungshemmenden Effekte von KPV blieben in mehreren Modellen auch dann erhalten, wenn die klassischen Melanocortin-Rezeptoren blockiert oder gar nicht funktionsfähig waren. Für die Forschung ist KPV damit ein Modellpeptid für die Frage, welche Anteile der Melanocortin-Wirkung rezeptorabhängig sind und welche nicht (Brzoska et al., 2008, Endocrine Reviews; Catania et al., 2004).
Molekulare Architektur
Das Tripeptid trägt mit dem Lysin eine positive Ladung und mit dem C-terminalen Valin eine freie Carboxylgruppe; das mittlere Prolin fixiert die Konformation. Chavatte et al. (2001) analysierten die Konformation der acetylierten, amidierten Form (Ac-Lys-Pro-Val-NH2) als C-terminale Sequenz des alpha-MSH. Als hydrophiles, kleines Molekül ist KPV in Wasser sehr gut löslich und enthält keine oxidationsempfindlichen Reste — das Lyophilisat ist entsprechend robust. Der C-Terminus des Hormons wird seit den frühen Arbeiten als „Botschaftssequenz“ der antiinflammatorischen Wirkung geführt (Macaluso et al., 1994); Cutuli et al. beschrieben zudem antimikrobielle Effekte von alpha-MSH-Peptiden einschließlich des Tripeptids (Cutuli et al., 2000).
Wirkmechanismus laut Studien
- Aufnahme über PepT1: Dalmasso et al. (2008, Gastroenterology) zeigten mit tritiummarkiertem KPV und Kompetitionsversuchen gegen ein PepT1-Substrat, dass das Tripeptid in humane Darmepithelzellen (Caco2-BBE, HT29-Cl.19A) und Jurkat-T-Zellen über diesen Transporter aufgenommen wird. Nanomolare Konzentrationen hemmten anschließend die Aktivierung von NF-kappaB und der MAP-Kinase-Signalwege sowie die Sekretion proinflammatorischer Zytokine.
- Kernimport von p65RelA: Land (2012) fand in humanen Bronchialepithelzellen (16HBE14o-) eine konzentrationsabhängige Hemmung von NF-kappaB, der Matrix-Metalloproteinase-9-Aktivität sowie der Sekretion von Interleukin-8 und Eotaxin. Der Effekt war mit dem Kernimport des Peptids, der Stabilisierung von IkappaB-alpha und einer unterdrückten Translokation von YFP-markiertem p65RelA verbunden; Kompetitionsversuche wiesen auf eine Interaktion mit der Importin-alpha3-Bindungsstelle hin.
- Rezeptorunabhängigkeit: Getting et al. (2003) verglichen KPV in der kristallinduzierten Peritonitis der Maus mit alpha-MSH, dem Kernpeptid His-Phe-Arg-Trp und einem MC3/4-Rezeptor-Agonisten: Alle verringerten die Ansammlung polymorphkerniger Leukozyten, doch der KPV-Effekt wurde durch den MC3/4-Antagonisten SHU9119 nicht blockiert, KPV erhöhte cAMP nicht und hemmte — anders als die Kernpeptide — die Freisetzung von KC und Interleukin-1beta aus Makrophagen nicht. Der Effekt blieb auch in Mäusen mit funktionslosem MC1-Rezeptor erhalten.
- Signaltransduktion in Keratinozyten: Elliott et al. (2004) fanden in humanen Keratinozyten keine cAMP-Erhöhung durch alpha-MSH, KPV oder ACTH, aber rasche intrazelluläre Calciumsignale über einen Konzentrationsbereich von 10−15 bis 10−7 M — sofern der cAMP-Weg pharmakologisch gehemmt war. Kelly et al. (2006) zeigten, dass selbst an Polystyrolkügelchen immobilisiertes GKPV die TNF-alpha-induzierte NF-kappaB-Aktivität hemmt — ein Hinweis, dass ein Teil der Wirkung von außen an der Zelloberfläche entsteht.
Aktuelle Studienlage
Intestinale Entzündungsmodelle
Dalmasso et al., 2008 — Im Mausmodell verringerte über das Trinkwasser zugeführtes KPV die DSS- und die TNBS-induzierte Kolitis auf histologischer Ebene und in der Expression proinflammatorischer Zytokine; PepT1 wird im entzündeten Kolon induziert, was die Zielgewebespezifität erklärt.
Kannengiesser et al., 2008, Inflammatory Bowel Diseases — In der DSS-Kolitis führte KPV zu früherer Erholung und signifikant stärkerer Gewichtszunahme; entzündliche Infiltrate und die Myeloperoxidase-Aktivität im Kolongewebe waren signifikant reduziert, ebenso in der CD45RBhigh-Transferkolitis. In Tieren mit funktionslosem Melanocortin-1-Rezeptor blieb der Effekt erhalten.
Formulierung und Zielführung
Xiao et al., 2017, Molecular Therapy — KPV in Hyaluronsäure-funktionalisierten Polymer-Nanopartikeln (etwa 272 nm, Zetapotential etwa −5,3 mV), oral in einem Chitosan/Alginat-Hydrogel: gezielte Aufnahme in Kolonepithelzellen und Makrophagen, stärkere Herunterregulation von TNF-alpha und bessere Wirkung im Mausmodell als die nicht zielgerichtete Formulierung. Laroui et al. (2010) beschrieben das kolontargetierte Nanopartikel-Hydrogel-Prinzip, Shao et al. (2021) ein mukoadhäsives Hydrogel und Sun et al. (2021) ein selbstvernetztes Polyglutaminsäure-Hydrogel mit stabilisiertem KPV. KPV ist damit auch ein Modellpeptid der oralen Peptidformulierung.
Weitere Modelle
Bonfiglio et al., 2006 — Kornea-Epithelmodell am Kaninchen: topisches KPV mit 1, 5 oder 10 mg/ml, zwei Tropfen viermal täglich über vier Tage; die Autoren untersuchten die Rolle von Stickstoffmonoxid bei der Epithelreparatur. Böhm et al. (2019) ordnen Melanocortin-Peptide für die Hautforschung ein; Luger et al. (2007) und Brzoska et al. (2010) fassen die Tripeptid-Literatur als eigene Substanzklasse zusammen.
Was fehlt
Zum Tripeptid existieren keine kontrollierten klinischen Studien. Die Datenbasis ist zellulär und präklinisch (Maus, Kaninchen) und stammt aus mehreren unabhängigen Gruppen — was sie von manch anderem Forschungspeptid unterscheidet. Der Rezeptor- oder Bindungspartner im Zellkern ist nicht abschließend identifiziert.
Einordnung: KPV, alpha-MSH und die Kernpeptide
| KPV (alpha-MSH 11–13) | alpha-MSH (1–13) | Kernpeptid His-Phe-Arg-Trp | |
|---|---|---|---|
| Größe | 3 Aminosäuren, 342 g/mol | 13 Aminosäuren, ca. 1.665 g/mol | 4 Aminosäuren |
| Melanocortin-Rezeptor nötig? | nein — Effekt bleibt bei MC1R-Defekt und MC3/4-Blockade (Getting 2003; Kannengiesser 2008) | ja, MC1R–MC5R | ja |
| cAMP-Anstieg | nein | ja | ja |
| Pigmentierung | keine bekannt | ja — der limitierende Faktor des Hormons (Brzoska 2008) | ja |
| Zellulärer Eintritt | PepT1-Transporter (Dalmasso 2008) | Rezeptorbindung an der Oberfläche | Rezeptorbindung |
Für die Versuchsplanung folgt daraus: Wer die klassische Melanocortin-Signalkaskade untersucht, braucht das Hormon oder das Kernpeptid; wer transporterabhängige, rezeptorunabhängige Effekte auf NF-kappaB adressiert, das Tripeptid. Verwandte Fragestellungen zu Immunpeptiden behandeln der Thymalin-Forschungsleitfaden und der LL-37-Forschungsleitfaden.
Für die Versuchsplanung
- PepT1-Status des Modells klären. Der Transporter ist im gesunden Kolon kaum, im entzündeten Kolon und im Dünndarm stark exprimiert (Dalmasso 2008). Zelllinien ohne PepT1 zeigen den intrazellulären Effekt nicht — die Expression gehört vor den Versuch per qPCR oder Western Blot geprüft.
- Kontrollpeptid mitführen. Ein verwürfeltes Tripeptid gleicher Zusammensetzung (z. B. Val-Pro-Lys) trennt sequenzspezifische von ladungs- oder transporterbedingten Effekten.
- Rezeptorabhängigkeit explizit testen. MC1R-defekte Tiere (recessive yellow e/e) oder der Antagonist SHU9119 sind die etablierten Werkzeuge, um den KPV-Effekt vom Melanocortin-Signal abzugrenzen (Getting 2003; Kannengiesser 2008).
- Im nanomolaren Bereich titrieren. Die Wirkung setzt bei sehr niedrigen Konzentrationen ein; mikromolare Ansätze verschenken die Dosis-Wirkungs-Information und begünstigen unspezifische Effekte.
- Adsorption einplanen. Kleine Peptide gehen bei picomolaren bis nanomolaren Konzentrationen an Kunststoff verloren — Verdünnungen in proteinhaltigem Puffer, Glas oder Low-Binding-Gefäße.
Forschungsanwendungen
KPV wird in der biomedizinischen Forschung in verschiedenen Kontexten eingesetzt: (1) NF-kappaB-Reportersysteme in Epithel- und Immunzelllinien; (2) PepT1-Transportstudien mit markiertem Tripeptid und Kompetitionsassays; (3) Kolitismodelle (DSS, TNBS, Transferkolitis) mit histologischen und Zytokin-Endpunkten; (4) Kernimport-Studien zu p65RelA und Importinen; (5) Formulierungsforschung — Nanopartikel, Hydrogele, mukoadhäsive Systeme für die orale Peptidabgabe; (6) Vergleichsdesigns mit alpha-MSH und den Kernpeptiden zur Trennung rezeptorabhängiger und -unabhängiger Effekte; (7) analytische Methodenentwicklung für sehr kleine Peptide per LC-MS.
Stammlösung und Konzentrationen
Die Vialgröße steht in der Kaufbox. Weil die publizierten Zellkultureffekte im nanomolaren Bereich liegen, reicht ein einziges Vial für sehr große Verdünnungsreihen; die Rechenbeispiele beziehen sich ausschließlich auf die Laborpraxis, nicht auf eine Anwendung an Mensch oder Tier.
| Stammlösung | entspricht (bei 342,43 g/mol) | Verdünnung auf 100 nM |
|---|---|---|
| 1 mg/ml | ca. 2,92 mmol/l | 1 : 29.200 |
| 5 mg/ml | ca. 14,6 mmol/l | 1 : 146.000 |
| 10 mg/ml | ca. 29,2 mmol/l | 1 : 292.000 |
Verdünnungen über mehrere Zehnerpotenzen sollten in Zwischenschritten mit proteinhaltigem oder peptidarmem Puffer erfolgen, weil kleine Peptide bei sehr niedrigen Konzentrationen an Kunststoffoberflächen adsorbieren. Die aktuellen Preise stehen in der Kaufbox oben auf dieser Seite; der Preis je Milligramm wird dort live berechnet.
Qualität: Warum Reinheit und Identität belegt sein müssen
Bei einem Tripeptid mit 342 g/mol sind Verunreinigungen aus der Synthese — Dipeptide, freie Aminosäuren, Salze, Gegenionen — anteilig besonders schwerwiegend, weil jede Abweichung einen großen Teil der Masse ausmacht. Die HPLC-Reinheit ab 99 % und die massenspektrometrische Identität gegen 342,43 g/mol gehören deshalb zusammen auf das Zertifikat; für quantitative Zellkulturarbeit ist zusätzlich der Nettopeptidgehalt relevant, weil Wasser und Gegenionen bei so kleinen Molekülen einen erheblichen Anteil der Einwaage stellen können.
Jede ALPHASYNTH-Charge wird per HPLC auf Reinheit (≥ 99 %) und per Massenspektrometrie auf Identität geprüft. Das Certificate of Analysis (COA) ist der Bestellung zugeordnet und über die Vial-Prüfung anhand der Chargenbezeichnung abrufbar; die Übersicht aller Berichte steht unter Laborberichte. Wie ein COA gelesen wird, erklärt der Fachartikel Certificate of Analysis richtig lesen.
Spezifikationen
| Wirkstoff | KPV (Lys-Pro-Val, alpha-MSH(11–13)) |
| Sequenz | H-Lys-Pro-Val-OH (Tripeptid) |
| CAS-Nummer | 67727-97-3 |
| Summenformel | C16H30N4O4 |
| Molekulargewicht | 342,43 g/mol |
| Aminosäuren | 3 (linear, keine oxidationsempfindlichen Reste) |
| Reinheit | ≥ 99 % (HPLC), Identität per Massenspektrometrie |
| Form | Lyophilisiertes Pulver (weiß) |
| Menge pro Vial | siehe Kaufbox |
| Qualitätskontrolle | HPLC, MS, COA je Charge, Chargennummer auf dem Vial |
| Datenquelle Stoffdaten | PubChem CID 125672 (L-Lysyl-L-prolyl-L-valin) |
| Verwendung | Research Use Only — nicht für Mensch oder Tier |
Lagerung & Haltbarkeit
| Lagerung (ungeöffnet) | −20 °C, lichtgeschützt |
| Haltbarkeit (lyophilisiert) | 24 Monate ab Herstellungsdatum bei korrekter Lagerung |
| Haltbarkeit (rekonstituiert) | Bis zu 28 Tage bei 2–8 °C |
| Nach Rekonstitution | Nicht wiederholt einfrieren — Frost-Tau-Zyklen sind die häufigste Ursache für Aktivitätsverlust; lichtgeschützt lagern |
Rekonstitution
- Vial und Lösungsmittel auf Raumtemperatur bringen, damit sich kein Kondenswasser im Pulver niederschlägt.
- Bakteriostatisches Wasser (0,9 % Benzylalkohol) für Mehrfachentnahmen, steriles Wasser oder Puffer für Einmalansätze.
- Das Lösungsmittel langsam an der Innenwand des Vials entlang zugeben, nicht direkt auf das Lyophilisat.
- Vial sanft rollen — nicht schütteln — bis sich das Pulver vollständig gelöst hat; das hydrophile Tripeptid löst sich rasch.
- Visuelle Kontrolle: Die Lösung muss klar und farblos sein; Trübung oder Partikel sind ein Ausschlusskriterium.
- Konzentration aus Vialgröße und Volumen berechnen und auf dem Vial notieren; Chargennummer, Ansatzdatum und Endkonzentration gehören in die Laboraufzeichnung.
- Gekühlt lagern (2–8 °C).
Für die Umrechnung von Konzentration, Volumen und Spritzenskala steht der Peptid-Rechner bereit.
Konzentrationen in publizierten Studien
Zur Einordnung der wissenschaftlichen Literatur — keine Anleitung.
| Modell | Konzentration / Applikation | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|
| Darmepithel- und T-Zelllinien | nanomolar | NF-kappaB- und MAPK-Hemmung, Zytokinsekretion ↓ | Dalmasso 2008 |
| Maus, DSS-/TNBS-Kolitis | über das Trinkwasser | Histologie und Zytokin-mRNA verbessert | Dalmasso 2008 |
| Maus, DSS- und Transferkolitis | systemisch, auch bei MC1R-Defekt | Infiltrate und MPO-Aktivität ↓ | Kannengiesser 2008 |
| Humane Keratinozyten | 10−15 – 10−7 M | Calciumsignal ohne cAMP-Anstieg | Elliott 2004 |
| Kaninchen, Kornea-Epithel | topisch 1 / 5 / 10 mg/ml, 4× täglich, 4 Tage | Epithelreparatur, NO-Beteiligung | Bonfiglio 2006 |
Versand & Handling
- Versand per DHL aus Deutschland, Lieferzeit innerhalb Deutschlands in der Regel 1–3 Werktage, in der EU 3–5 Werktage
- Diskreter Versand, keine Produktbezeichnung auf dem Paket
- Lyophilisat ist für den Transport über 2–3 Tage bei Raumtemperatur stabil; nach Erhalt gefroren lagern
- Chargennummer auf dem Vial, Certificate of Analysis (COA) je Charge abrufbar
Weiterführende Fachartikel
- KPV im Peptid-Lexikon — die Kurzdefinition mit Stoffdaten
- BPC-157 + KPV im Lexikon — die Kombination im Faktencheck
- Thymalin-Forschungsleitfaden · LL-37-Forschungsleitfaden — weitere Immunpeptide
- Certificate of Analysis richtig lesen — was ein COA belegen muss
Warum ALPHASYNTH™?
- Belegte Reinheit: Jede Charge mit HPLC-Analysezertifikat (≥ 99 %) und massenspektrometrischer Identitätsprüfung
- Rückverfolgbarkeit: Chargennummer auf dem Vial, COA je Bestellung über die Vial-Prüfung abrufbar
- Sichere Lieferung: Diskrete Verpackung, versichert, EU-weiter Versand per DHL aus Deutschland
- Fachkundiger Support: Technische Fragen beantwortet unser Forschungsteam
- Quellenstandard: Jede Studienangabe auf dieser Seite trägt einen PubMed-Nachweis
Alle Produkte von ALPHASYNTH™ sind ausschließlich für wissenschaftliche Forschungszwecke bestimmt. Nicht für den menschlichen oder tierärztlichen Gebrauch.





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