Stand der Studienlage: September 2026 · alle Quellen mit PubMed-Nachweis
Forschungsübersicht
Epithalon (auch Epitalon, Epithalone; Kurzform AEDG) ist ein synthetisches Tetrapeptid mit der Sequenz Ala-Glu-Asp-Gly, der Summenformel C14H22N4O9 und einem Molekulargewicht von 390,35 g/mol (CAS 307297-39-8). Es wurde am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie auf Basis der Aminosäurezusammensetzung eines Zirbeldrüsenextrakts (Epithalamin) entworfen. Bekannt geworden ist es durch eine einzelne Beobachtung aus der Zellkultur: die Induktion von Telomeraseaktivität in telomerase-negativen menschlichen Zellen (Khavinson et al., 2003).
Zur Nomenklatur: In der Literatur laufen Epithalon, Epitalon und AEDG-Peptid nebeneinander — gemeint ist dieselbe definierte Substanz. Nicht identisch ist Epithalamin, der Rinderzirbeldrüsen-Extrakt, aus dessen Aminosäurezusammensetzung das Tetrapeptid abgeleitet wurde; die klinischen Publikationen der Kiewer Gruppe beziehen sich auf diesen Extrakt. Befunde zum Extrakt lassen sich nicht auf das Peptid übertragen — eine Verwechslung, die in populären Darstellungen fast immer vorkommt.
Für die Forschung ist Epithalon damit ein Modellpeptid der Telomerbiologie — und zugleich ein Lehrstück in Quellenkritik: Der überwiegende Teil der Literatur stammt aus einer einzigen Arbeitsgruppe, unabhängige Replikationen sind selten und fallen gemischt aus. Diese Seite nennt beides, weil ein Versuchsdesign nur so belastbar geplant werden kann.
Molekulare Architektur
Epithalon ist ein kurzkettiges, lineares Tetrapeptid ohne Disulfidbrücken oder definierte Sekundärstruktur. Mit zwei sauren Seitenketten (Glutamat, Aspartat) und freiem N- und C-Terminus trägt es bei physiologischem pH eine negative Nettoladung, ist stark hydrophil und in Wasser gut löslich. Das Molekül enthält weder Methionin noch Cystein oder Tryptophan — die oxidationsempfindlichen Reste fehlen, weshalb das Lyophilisat vergleichsweise lagerstabil ist. Der postulierte Mechanismus ist eine Bindung an DNA beziehungsweise Histone mit Einfluss auf die Genexpression; Khavinson et al. (2020) beschrieben in einem Neurogenese-Modell eine Stimulation von Genexpression und Proteinsynthese und diskutierten einen epigenetischen Mechanismus. Ein Rezeptor ist nicht bekannt.
Wirkmechanismus laut Studien
- Telomerase und Telomerlänge: Khavinson et al. (2003) berichteten in humanen somatischen Zellen eine Induktion der Telomeraseaktivität und eine Verlängerung der Telomere. Die wichtigste unabhängige Arbeit dazu ist Al-Dulaimi et al. (2025, Biogerontology): In humanen Zelllinien nahm die Telomerlänge dosisabhängig zu — je nach Zelllinie über Telomerase-Hochregulation oder über den alternativen ALT-Mechanismus. Das ist die erste Replikation außerhalb St. Petersburgs und zugleich der Hinweis, dass der Mechanismus zelltypabhängig ist.
- Zirbeldrüse und Melatonin — die Gegenprobe: Djeridane et al. (2003) untersuchten Zirbeldrüsen junger (9 Wochen) und alter (27 Monate) Wistar-Ratten im Perifusionssystem. In Konzentrationen von 1 bis 100 µmol/l hatte das Tetrapeptid keinen signifikanten Effekt auf die Melatoninsekretion — weder bei jungen noch bei alten Tieren. Sibarov et al. (2002) fanden nach intranasaler Gabe einen leichten Anstieg des Transkriptionsfaktors c-Fos in Pinealozyten nur bei zuvor gestressten Ratten. Die verbreitete Aussage, Epithalon „stelle die Melatoninproduktion wieder her“, ist für das Tetrapeptid in der kontrollierten Literatur nicht belegt; die klinischen Melatonindaten der Kiewer Gruppe (Korkushko et al., 2004) beziehen sich auf den Extrakt Epithalamin, nicht auf das synthetische Peptid.
- Genexpression: Im Neurogenese-Modell von Khavinson et al. (2020) stieg die Expression neuronaler Differenzierungsmarker; die Autoren führen dies auf eine Interaktion des Peptids mit der DNA zurück.
Aktuelle Studienlage
Alterungs- und Tumormodelle (St. Petersburg)
Anisimov et al., 2003, Biogerontology — weibliche SHR-Mäuse, Biomarker des Alterns, Lebensspanne und spontane Tumorinzidenz unter langfristiger Gabe.
Anisimov et al., 2002, Bulletin of Experimental Biology and Medicine und Anisimov et al., 2002, International Journal of Cancer — transgene HER-2/neu-Mäuse: verzögerte Entwicklung spontaner Mammatumoren unter dem Tetrapeptid. Beide Serien stammen aus derselben Gruppe; sie sind die Grundlage der geroprotektiven Hypothese, aber nicht unabhängig repliziert.
Übersichten
Araj et al., 2025, International Journal of Molecular Sciences — aktuelle Übersicht zu Struktur, physikochemischen Eigenschaften und der Studienlage des Tetrapeptids aus einer polnischen Arbeitsgruppe; der beste Einstieg für eine kritische Literaturbewertung.
Khavinson, 2002 und Khavinson und Morozov, 2003 — die programmatischen Übersichten der Entdeckergruppe zu Peptiden der Zirbeldrüse und des Thymus.
Was fehlt
Es existieren keine kontrollierten klinischen Studien zum Tetrapeptid nach westlichem Standard; die Humandaten der Kiewer und St. Petersburger Gruppen betreffen überwiegend den Extrakt Epithalamin. Für Zellkulturarbeit gilt, was die Vergleichsstudien nahelegen: Ohne mitgeführtes Kontrollpeptid ähnlicher Ladung und Größe lässt sich ein spezifischer Effekt nicht von einem unspezifischen unterscheiden.
Einordnung: Epithalon und Thymalin
Beide stammen aus derselben Schule der „Bioregulatoren“: Thymalin ist ein Thymusextrakt, dessen aktive Dipeptide (Lys-Glu, Glu-Trp) in der Immun- und Hämatopoeseforschung untersucht werden; Epithalon ist das synthetische Tetrapeptid zum Zirbeldrüsenextrakt. Wer Telomer- und Seneszenzendpunkte adressiert, arbeitet mit Epithalon; wer Thymusfunktion und Differenzierung hämatopoetischer Stammzellen untersucht, mit Thymalin. Details im Thymalin-Forschungsleitfaden und im Epithalon-Forschungsleitfaden.
| Epithalon (Tetrapeptid) | Epithalamin (Extrakt) | Thymalin (Thymusextrakt) | |
|---|---|---|---|
| Was es ist | definierte Einzelsubstanz Ala-Glu-Asp-Gly, 390,35 g/mol | Polypeptidfraktion aus Rinderzirbeldrüse, nicht definiert | Polypeptidfraktion aus Kalbsthymus; aktive Dipeptide Lys-Glu, Glu-Trp |
| Kernbefund | Telomerase/Telomerlänge in Zellkultur (Khavinson 2003; Al-Dulaimi 2025) | Melatoninrhythmus älterer Probanden (Korkushko 2004, 2006) | Differenzierung hämatopoetischer Stammzellen (Khavinson 2020) |
| Unabhängige Gegenprobe | Djeridane 2003: kein Melatonineffekt; Al-Dulaimi 2025: Telomereffekt bestätigt | keine | keine außerhalb der Schule |
| Für die Forschung | reproduzierbar, weil chemisch definiert | nicht reproduzierbar, chargenabhängig | nur über die definierten Dipeptide reproduzierbar |
Der entscheidende Unterschied für ein Versuchsdesign: Nur das Tetrapeptid ist eine definierte Substanz. Befunde zum Extrakt lassen sich nicht auf das Peptid übertragen — was in der populären Darstellung regelmäßig geschieht und die Erwartung an Melatonin- und Lebensspanneneffekte überzeichnet.
Für die Versuchsplanung
- Kontrollpeptid gleicher Ladung mitführen. Die Vergleichsstudien der St. Petersburger Gruppe mit dem Dipeptid Vilon (Lys-Glu) zeigen, dass kurze geladene Peptide unspezifische Effekte auslösen können; ohne Kontrollpeptid ähnlicher Größe und Ladung lässt sich ein Epithalon-spezifischer Effekt nicht abgrenzen.
- Zelllinie definiert wählen. Al-Dulaimi et al. (2025) fanden den Telomereffekt je nach Linie über Telomerase oder über ALT — der Mechanismus ist zelltypabhängig, die Wahl der Linie entscheidet über den Endpunkt (TRAP-Assay bei telomerase-positiven, C-Circle-Assay bei ALT-Linien).
- Telomerlänge mit zwei Methoden messen. qPCR-basierte Relativmessung und Southern Blot (TRF) beantworten unterschiedliche Fragen; die Literatur zum Peptid nutzt überwiegend nur eine.
- Melatonin-Endpunkte nicht voraussetzen. Die einzige unabhängige Perifusionsstudie war negativ (Djeridane 2003). Wer den Endpunkt trotzdem prüft, sollte Stressbedingungen mitführen (Sibarov 2002).
- Verblindet auswerten. Bei Tumorinzidenz- und Alterungsmodellen aus einer einzigen Gruppe ist verblindete histologische Bewertung die einzige Absicherung gegen Erwartungseffekte.
Forschungsanwendungen
Epithalon wird in der biomedizinischen Forschung in verschiedenen Kontexten eingesetzt: (1) Telomerase-Aktivitätsassays (TRAP) und Telomerlängenmessung (qPCR, Southern Blot) in humanen Zelllinien; (2) replikative Seneszenz und Hayflick-Limit in Fibroblastenkulturen; (3) Genexpressions- und Epigenetikstudien — Histonmodifikationen, DNA-Bindung; (4) Zirbeldrüsen-Perifusion und Melatoninsekretion als Kontrollmodell; (5) Alterungs- und Tumorinzidenzmodelle an Nagern; (6) Vergleichsdesigns mit Kontrollpeptiden gleicher Ladung (z. B. Vilon) zur Prüfung der Spezifität.
Epithalon kaufen: 10 mg oder 50 mg?
Wer Epithalon kaufen möchte, findet bei ALPHASYNTH zwei Vialgrößen. Welche für ein Forschungsvorhaben sinnvoll ist, hängt von der geplanten Konzentration der Stammlösung, der Zahl der Proben und der Haltbarkeit nach Rekonstitution ab — nicht von einer Dosierung, denn dieses Produkt ist nicht für die Anwendung an Mensch oder Tier bestimmt. Die publizierten Zellkulturkonzentrationen liegen im nanomolaren bis mikromolaren Bereich; ein 10-mg-Vial reicht für sehr große Verdünnungsreihen.
| Vial | Rekonstitution mit 2 ml | Rekonstitution mit 5 ml | Stammlösung 5 mg/ml entspricht |
|---|---|---|---|
| 10 mg | 5 mg/ml | 2 mg/ml | ca. 12,8 mmol/l (bezogen auf 390,35 g/mol) |
| 50 mg | 25 mg/ml | 10 mg/ml | niedrigster Preis je mg, für Tiermodelle und Langzeitpassagen |
Eine einzige Charge für eine gesamte Versuchsreihe ist methodisch sauberer als mehrere. Die aktuellen Preise stehen in der Kaufbox oben auf dieser Seite; der Preis je Milligramm wird dort live berechnet.
Qualität: Warum Reinheit und Identität belegt sein müssen
Bei einem Tetrapeptid mit 390,35 g/mol sind Verunreinigungen aus der Synthese — Deletionssequenzen (Tripeptide), unvollständig entschützte Zwischenprodukte, Salzgehalt — anteilig besonders schwerwiegend, weil jede Abweichung einen großen Teil der Masse ausmacht. Die HPLC-Reinheit ab 99 % und die massenspektrometrische Identität gegen die Sollmasse gehören deshalb zusammen auf das Zertifikat; für quantitative Zellkulturarbeit ist zusätzlich der Peptidgehalt (Nettopeptid nach Abzug von Wasser und Gegenionen) relevant.
Jede ALPHASYNTH-Charge wird per HPLC auf Reinheit (≥ 99 %) und per Massenspektrometrie auf Identität geprüft. Das Certificate of Analysis (COA) ist der Bestellung zugeordnet und über die Vial-Prüfung anhand der Chargenbezeichnung abrufbar; die Übersicht aller Berichte steht unter Laborberichte. Wie ein COA gelesen wird, erklärt der Fachartikel Certificate of Analysis richtig lesen.
Spezifikationen
| Wirkstoff | Epithalon (Epitalon, AEDG-Peptid) |
| Sequenz | Ala-Glu-Asp-Gly |
| CAS-Nummer | 307297-39-8 |
| Summenformel | C14H22N4O9 |
| Molekulargewicht | 390,35 g/mol |
| Aminosäuren | 4 (linear, keine oxidationsempfindlichen Reste) |
| Reinheit | ≥ 99 % (HPLC), Identität per Massenspektrometrie |
| Form | Weißes lyophilisiertes Pulver |
| Menge pro Vial | 10 mg oder 50 mg (je nach Variante) |
| Qualitätskontrolle | HPLC, MS, COA je Charge, Chargennummer auf dem Vial |
| Verwendung | Research Use Only — nicht für Mensch oder Tier |
Lagerung & Haltbarkeit
| Lyophilisiert, −20 °C | bis zu 36 Monate, lichtgeschützt |
| Lyophilisiert, 2–8 °C | bis zu 12 Monate |
| Rekonstituiert, 2–8 °C | bis zu 21 Tage |
| Rekonstituiert, −20 °C (aliquotiert) | bis zu 3 Monate, Frost-Tau-Zyklen vermeiden |
Als kurzes, saures Tetrapeptid ohne empfindliche Reste ist Epithalon in lyophilisierter Form vergleichsweise robust; in Lösung bestimmen pH und mikrobielle Kontamination die Haltbarkeit, nicht die Oxidation.
Rekonstitution
- Vial und Lösungsmittel auf Raumtemperatur bringen (Kondenswasser vermeiden).
- Bakteriostatisches Wasser (0,9 % Benzylalkohol) für Mehrfachentnahmen, steriles Wasser oder Puffer für Einmalansätze.
- Das Lösungsmittel langsam an der Innenwand des Vials entlang zugeben, nicht direkt auf das Lyophilisat.
- Vial sanft schwenken, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat — das hydrophile Tetrapeptid löst sich rasch.
- Visuelle Kontrolle: Die Lösung muss klar und farblos sein; Trübung oder Partikel sind ein Ausschlusskriterium.
- Konzentration aus Vialgröße und Volumen berechnen (Tabelle oben) und auf dem Vial notieren.
- Gekühlt lagern (2–8 °C) oder aliquotiert einfrieren, Rekonstitutionsdatum notieren.
Für die Umrechnung von Konzentration, Volumen und Spritzenskala steht der Peptid-Rechner bereit.
Konzentrationen in publizierten Studien
Zur Einordnung der wissenschaftlichen Literatur — keine Anleitung.
| Modell | Konzentration / Applikation | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|
| Humane Zelllinien, in vitro | dosisabhängig | Telomerlänge ↑ über Telomerase oder ALT (unabhängige Replikation) | Al-Dulaimi 2025 |
| Humane somatische Zellen, in vitro | Zellkultur | Telomeraseaktivität und Telomerverlängerung | Khavinson 2003 |
| Zirbeldrüse der Ratte, Perifusion | 1 – 100 µmol/l | kein Effekt auf Melatoninsekretion (jung und alt) | Djeridane 2003 |
| Ratte, in vivo | intranasal | c-Fos in Pinealozyten nur nach Stress leicht erhöht | Sibarov 2002 |
| Maus, in vivo (SHR, HER-2/neu) | subkutan, Langzeit | Alterungsbiomarker, Tumorinzidenz | Anisimov 2002, 2003 |
Versand & Handling
- Versand per DHL aus Deutschland, Lieferzeit innerhalb Deutschlands in der Regel 1–3 Werktage, in der EU 3–5 Werktage
- Diskreter Versand, keine Produktbezeichnung auf dem Paket
- Lyophilisat ist für den Transport über 2–3 Tage bei Raumtemperatur stabil; nach Erhalt kühl oder gefroren lagern
- Chargennummer auf dem Vial, Certificate of Analysis (COA) je Charge abrufbar
Weiterführende Fachartikel
- Epithalon-Forschungsleitfaden — Struktur, Telomerbiologie und die Gegenproben im Detail
- Thymalin-Forschungsleitfaden — der Thymus-Bioregulator derselben Schule
- Epithalon im Peptid-Lexikon — die Kurzdefinition mit Stoffdaten
- Certificate of Analysis richtig lesen — was ein COA belegen muss
Warum ALPHASYNTH™?
- Belegte Reinheit: Jede Charge mit HPLC-Analysezertifikat (≥ 99 %) und massenspektrometrischer Identitätsprüfung
- Rückverfolgbarkeit: Chargennummer auf dem Vial, COA je Bestellung über die Vial-Prüfung abrufbar
- Sichere Lieferung: Diskrete Verpackung, versichert, EU-weiter Versand per DHL aus Deutschland
- Fachkundiger Support: Technische Fragen beantwortet unser Forschungsteam
- Quellenstandard: Jede Studienangabe auf dieser Seite trägt einen PubMed-Nachweis
Alle Produkte von ALPHASYNTH™ sind ausschließlich für wissenschaftliche Forschungszwecke bestimmt. Nicht für den menschlichen oder tierärztlichen Gebrauch.






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